Hinweise für Studierende

Ziel dieser Website zur Explorativen Theologie ist es, die Kreativität der studentischen Ergebnisse unserer Münsteraner Lehrveranstaltungen mit anderen in digitaler Weise öffentlich zu teilen. Dazu nun einige Hinweise zur idealtypischen Beitragsstruktur. Zunächst: Gliedern Sie Ihren Blogeintrag in drei Teile – einen heuristischen ersten, einen analytischen zweiten und einen kreativen dritten Teil. Passende Leitfragen könnten lauten: Was haben ich entdeckt? Welche weiterführende Frage wirft das auf? Wie lässt sich das theologisch weiterdenken?

Der heuristische ERSTE TEIL schildert Ihren explorativen Entdeckungszusammenhang („context of discovery“). Nehmen Sie Ihre Leser:innen mit an den von Ihnen erkundeten Ort. Ermöglichen Sie ihnen exploratives „Kopfkino“ (Bernhard Spielberg): Wie sieht es dort aus? Wie fühlt der Ort sich für Sie an? Welche Atmosphäre atmet er? Wie riecht es dort? Welches Wetter herrscht? Schreiben Sie möglichst plastisch, gerne auch locker und vor allem Interesse weckend. Erste Regel: Du sollst nicht langweilen! Machen Sie interessierten ‚Passant:innen‘ Lust auf das gespannte Weiterlesen. Schon die ersten Sätze entscheiden darüber, ob man dabei bleibt oder weiterklickt. Und: Schreiben Sie (und das ist immer eine Gratwanderung) persönlich, aber nicht privat. Leitfragen dieses Teils könnten sein: Warum haben Sie diese Ort ausgesucht? Bewusst oder war es ein glücklicher Zufall? Wie haben Sie sich dort gefühlt? Was haben Sie dort entdeckt? Was mögen Sie daran? Und was irritiert Sie vielleicht auch? In jedem Fall: Was gibt dieser Ort zu denken? Bauen Sie in Ihre Darstellung nicht nur Bilder und Feldnotizen, sondern auch Videosequenzen und Soundbites ein – die digitale Form eröffnet hier ganz andere Möglichkeiten als eine klassische Hausarbeit!

Der ZWEITE TEIL bietet eine analytische Problemabgrenzung. Er fokussiert Ihre Wahrnehmung wie ein Trichter auf eine spezifische, Fragestellung, die sich aus Ihrer explorativen Entdeckung ergibt. Entscheiden Sie sich dabei für eine zentrale Frage. Alle weiteren Perspektiven können erwähnen, aber nur eine Fragerichtung sollten Sie in diesem Abschnitt gezielt weiterverfolgen und analytisch vertiefen. Hier ist Ihre argumentative Intelligenz gefragt. Sie können dazu auch gerne nichttheologische Diskurse heranziehen: Soziologie, Psychologie, Linguistik, Geschichte, Geografie, Neurowissenschaften, Politikwissenschaft – alles – kurz alles menschlich verfügbare Weltwissen. Leitfragen könnten sein: Für welchen übergeordneten Problemzusammenhang („Context of problematization“) ist Ihre Entdeckung exemplarisch? Welches Ganze findet sich hier im Fragment? Worum geht es (nicht nur auf der Vorder-, sondern auch auf der Hinterbühne)? Was ist hier eigentlich der Fall? Und wie lässt sich das theologisch weiterdenken?

Die letzte Frage leitet bereits über in den kreativen DRITTEN TEIL eines dezidiert theologischen Begründungszusammenhangs („context of justification“). Dieser aktiviert Ihre theologische Erfindungskraft. Hier wird es abduktiv, d. h., experimentell und schöpferisch. Nutzen Sie dafür auch die Anregungen der anderen aus dem Seminar. Denken Sie „ohne Geländer“ (Hanna Arendt): freihändig und leichtfüßig. Gewagt und vielleicht auch überraschend. Denn nur echte Differenzen sind auch wirklich kreativ. Bieten Sie den Lesenden theologische Perspektivenwechsel, die kirchlich wie gesellschaftlich weiterführende Erkenntniskontraste ermöglichen. Lösen Sie sich vom empirischen Praxisfeld der Gegenwart und tauchen Sie ein in das theologische Diskursarchiv der Vergangenheit: Was sagt die Bibel dazu? Und was Augustinus? Was sagt Thomas? Was Mechthild von Magdeburg? Was Nikolaus von Kues? Was sagt Madeleine Delbrêl? Was Karl Rahner? Und was Dorothee Sölle? Oder Leonardo Boff? Auch hier gilt: Sie können verschiedene Ideen aufnehmen, sollten aber nur eine möglichst konsequent durchziehen. So wird Ihre theologische Idee spitz ein Pfeil und kann dann auch ins Schwarze treffen.

Bei alldem können Sie als theologische Ressource selbstverständlich auch Künstliche Intelligenz nutzen. Fragen Sie jedoch klug, damit die Antwort  von ChatGPT & Co nicht unter Ihrer eigenen theologischen Intelligenz bleibt. Sie können sich von KI helfen, Dinge strukturieren und auch auf Ideen bringen lassen – aber theologisch denken müssen sie dann am Ende doch selbst. Sonst bleibt Ihr Text seelenlos und blutleer. Denn man spürt beim Lesen, ob hier auch ein leibhaftiger Mensch (oder eine Gruppe von Menschen) mit unverwechselbarer eigener theologischer Stimme am Werk war oder nur eine von Menschen gemachte Maschine. Das erst macht ihren Beitrag inspirierend und stark. Daher auch für das gute Gefühl, selbst gedacht zu haben, der abschließende Hinweis: Schreiben Sie selbst. Experimentieren Sie selbst. Und bringen Sie sich (und Ihre Leser:innen) nicht um diese theologische Erfahrung!

Damit ist ein Letztes verbunden: Diese Hinweise sollen vor allem Ihre wissenschaftliche Phantasie anregen. Sie müssen sich nicht sklavisch daran halten. Sie sollen vielmehr zu Eigenem inspirieren: zu eigenen Formen für den eigenen Text. Dieser kann auch ganz anders ausfallen als die hier vorgeschlagene Struktur (z. B. als poetischer Theo-Slam-Blog oder als Theo-Podcast). Denn darum geht es ja in der Theologie vor allem anderen: eine eigene Sprache zu finden für das, was einem selbst wichtig ist. Und nicht darum, irgendeine Professorin oder irgendeinen Professor einfach nur unfallfrei nachzusprechen. Also: Seien Sie kreativ und finden Sie ihre eigene Form. Im besten Fall machen Sie mit Ihrem Blogeintrag dann auch anderen Lust nicht nur zum Weiterlesen, sondern auch zum theologischen Selberdenken!

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